Vom verkauften Ende

Die Vorbereitungen zum letzten Anlass des Instituts verliefen ruhig. Auch wenn er sich nicht die allerletzte Mühe gab, versuchte er doch, alles soweit vorzubereiten, dass wenigstens einige Freunde kämen, die Technik funktionierte und für Musik gesorgt wäre. Er würde zum letzten Mal Bierkisten schleppen, moderieren, Licht machen, Fragen beantworten, tanzen und plaudern. Heute käme die Versteigerung des ENDE hinzu. Ein symbolischer Kraftakt, zu dem die ehemaligen Communities eingeladen sind, die Familie, die Freunde, keine Ex-Partnerinnen, um das ENDE noch zu Lebzeiten versteigert und anschliessend in den kommenden Tagen und Wochen rapide abzubauen und völlig unermutet vom Erdboden verschluckt zu werden.

Einem verkauften Ende schaut man nicht hinterher.

Jedes ENDE nimmt man so, wie es kommt. In seiner neuen Struktur hat es Platz für mehrere Enden. Er findet es beruhigend, sich 100 mal verabschieden zu können. So würde man genügend Übung haben, Dinge zu beenden und neu zu beginnen. Warum das auch so schwer fallen muss. Diesesmal ist es einfach. Ein gutes Ende will aber auch gut geplant sein. Man sollte immer bereit sein, jedes Ende könnte immer auch das Letzte sein und die Dinge deswegen in einem dauerhaften Zustand erscheinen, jederzeit dem Gravitationsfeld entschwinden zu können, ohne massenhafte Lücken zu hinterlassen.

Zum ersten, zum zweiten, zum bitteren Ende!

„Du hattest 7 Leben, bisher!“ sagt ihm sein Sohn.
„Ich hatte 8.“
„Dann bist du weiser als ich?“
„Ein bisschen.“
Selbst wenn das Leben vorbei wäre, wäre man nicht davor gefeit, ein anderes weiterzuführen, genau so würde es in den Sternen stehen.

Am Ende sieht man sich selbst in der Vergangenheit und schaut sich zu, was man gemacht hat. Die wichtigen Momente jeder Institution bleiben meistens verborgen. Fotografen verschwinden dann wenn es spannend wird, Gäste kommen zu spät und wieder andere sind in einem Zustand solch geistiger Beeinträchtiung, die den Griff in die Geldbörse zu einer unendlichen Suche werden lässt. Nur wenn es peinlich wird, warten ganz sicher schon eine ganze Horde aufmerksamer Paparazzi am Auslöser um abdrücken zu können.

Tausend Bilder.
Das gibt’s ja nicht.
Keines war gut, keines intelligent.
Das Ende muss ergänzt werden.

Die Seele verdampft und das Gehirn wird gelöscht.

Kurz vor dem Beginn der letzten Show im Institut, steckt er ein Kabel in seinen Laptop, um ihn mit der Soundanlage zu verbinden. Der dümmste anzunehmende Unfall passiert genau in dem Moment, indem der Klinkenstecker in der Buchse steckenbleibt und diesen ausser Gefecht setzt. Er muss nun nach Hause laufen, um einen Adapter zu finden von Thunderbolt auf HDMI. Von allen Adaptern der Welt hat er natürlich hier im Instutut verdsammmelt, ausser dem gesuchten adaptierten Modell, natürlich nicht, weil Murphie’s Law! Er kann nun nichtmal mehr die Schwarzwaldklinik abspielen, dabei hätte ihn gerade interessiert wie das Intro tönt, an das er sich nicht mehr klar erinnern kann.

Filme

Insgesamt sollen an diesem Abend zwei Filme vorgestellt, wobei der eine einen Zusammenschnitt mit Szenen aus verschiedenen Projekten des Instituts und im anderen der Rohschnitt einer ganzen Show in voller Länge von 3 Stunden 13 Minuten darstellt.

Im gefällt die Idee alle Shows zu versammeln, die er gestaltet hat mit unzähligen Darstellerinnen, Künstlerinnen und Musikerinnen an einem Ort zu sammeln, in voller Länge. Man müsste unterscheiden zwischen Live Shows und TV Shows.

Re:Public Domain Show

Re:Dada Show (link folgt)

Art&Tech Show

Der Wurstograf

Marc hat freundlicherweise den Wurstograf mitgenommen, mit dem Würste gemalt werden können. Eine abstrakte Wurstmaschine, die nicht aufhört Würste in allen Formen, Farben und Grössen auf Banknoten zu drucken. Alles hat ein Ende nur die Wurst hat zwei.

Der portugiesche Betrüger Alvo de Reis (gest. 1955) war verantwortlich für den zweitgrößten Falschgeldbetrug in der Geschichte des Bankwesens, übertroffen lediglich durch die nationalsozialistische Aktion Bernhard. Reis’ Falschgeld führte zu einer Destabilisierung der Ersten Portugiesischen Republik und trug zu ihrem Sturz durch den Militärputsch 1926 bei

–> Re:Public Domain

I love Artists

Stattdessen wird der Slogan I love Artists als Kritik auf die Ausbeutung der kulturellen Produzenten entwickelt und lässt es mit dem Wurstografen malen. “Heisse, heisse! Künstler! Künstler!”

Jemand ruft: “Banane! Ich will eine Banane!”
Er muss beruhigt werden: “Heute gibt’s leider nur Wurst!”

Gleichzeitig überlegt man, ob man auch Würste an Wände gaffern könnte oder ob das ein Replikat wäre. Ich bemerke, man könnte Würste mit einer Nagelmaschine an eine Wand torpedieren und dann Strom hineinleiten, um sie von innen elektrisch zu grillen.

Die Ziegelbank

Die Gäste des Abends können an der Bar Ziegel für 10 CHF kaufen. Aber die Idee geht weit darüber hinaus. 

Marc findet eine SD Karte mit dem 3d Modell des Ziegels, druckt es vor Ort aus und stellt es online. https://github.com/sgmk/ziegel-coin/blob/main/Ziegel%20Coin.stl

Jemand kauft sich damit ein Bier. Der Beweis ist erbracht, dass die selbstdruckbare Währeungen funktionieren. Warum auch nicht? Niemand ist böse, alle finden es cool! Noch besser als klauen!

→ Ziegelbank

Warum bist du nach Zürich gekommen?

„Nein, nicht heute. Generell, meine ich.“
Er fragt, verschiedene Besucherinnen nach ihrer ursprünglichen Intention nach Zürich zu ziehen, hier zu leben. Die Antworten sind: “Zürich ist das purpure gegenteil von berlin, ein bauernhof in Horgen, studieren an der eth und ruhig, grün und reich.“ Er selbst kam nach Zürich um Neue Medien zu studieren.

Die verschwundenen Frauen

„Jetzt sind sie verschwunden.“
„Wo sind sie hin?“
Soll man sich heutzutage Sorgen um Frauen machen, die während des Abends verschwinden?
„Nein.“ definitiv nicht, aber das Institut hatte – weil technisch orientiert – immer erstaunlich wenig Frauen und um die wenigen anwesenden Frauen macht man sich Gedanken in Form einer rücksichtsvollen Nachfrage.
„Frauen bekommen von uns keine Extrabehandlung mehr.
„Eben waren sie noch da.“
„Habe ich sie gekränkt?“ fragt einer. Ein anderer fragt sich, ob er der Grund sei für ihr frühzeitiges Verschwinden. Wiederum andere vermuten, dass die beiden Jungs, der eine mit dem kaputten Stuhl, und der andere dem E-Bike verantwortlich seien für ds plötzliche Abhandenkommen zweier weiblicher Individuen.
Der See wäre nicht weit und manche Uferstellen böten sich an, um Frauenkörper zu versenken. Irgendwann begiebt man sich mit einem Taxifahrer, der aus einem Land kommt wo es keine Würste gibt, nach Hause und ich werde von der Rückbank als Rassist beschuldigt weil ich den Taxifahrer gefragt habe, woher er käme.

After Kehr

Am darauffolgenden Tag macht er After Kehr Work, was soviel bedeutet, die Reste der Party aufkehren und wegräumen zu dürfen. Darüber hinaus gilt es in den kommenden Wochen die Reste der 20jährigen Besatzung zu entfernen, besenrein. 
Eine Reihe von Dingen wären einfach zu gross für eine Delokalisierung, die beiden Leinwände gehörten dazu.

Wellen

Er würde die Leinwände noch benutzen wollen, um Wellen darauf zu malen und eine Party mit Wellen am 31.Dezember mit DJs, Wellen und Kanälen, Wellen, Wellen, Wellen im Glas.

Wellen
Malen
Wollen

Das ENDE hat vorderhand stattgefunden – ein abgekartetes Spiel

Nachdem das Ende abgeschlossen ist, öffnet sich eine Vermutung. Und war von Anfang an doch nur ein abgekartetes Spiel, mit dem Ziel ihn dazu zu beweggen ein Fördersubjekt des NESTLE Kulturfonds für realen Dadaismus zu werden. Das Departement des NESTLE TRANSNATIONALFOND FÜR REALEN DADAISMUS umfasste zu diesem Zeitpunkt 7 Mitarbeiterinnen, deren Tätigkeit dem einzigen Zweck diente, ihm – dem letzten realen re:dadaisten – zu FÖRDERN und die Mittel zukommen zu lassen, die er ohne Zweifel, verdient hätte, die er aber niemals angenommen hätte. Die Förderbeamten und agentinnen mussten also vorsichtig vorgehen, ihr Förderunternehmen verdeckt durchführen, ohne dass er Verdacht schöpfte. Zu diesem zweck wurde Annina ausgebildet um sie in sein Leben einzuschleusen. Sie meldet sich auf einen Aufruf um bei ihm eine Barschicht zu übernehmen. Im Laufe des Abends pflanzt sie ihm die Idee ein, die zahllosen – bislang abgelehnten Zustellungsversuche der Förderstelle – zuzulassen. Sie war darin eine der Besten, um nicht zu sagen, die Top-Besetzung für diesen an sich aussichtlosen Fall. Niemals würde er zulassen, von einem transnationalen Konzern abhängig zu sein. Bilsang boykottiert er seit 20 Jahren sämtliche Produkte des Lebensmittelherstellers. Zu diesem Zweck übernachtet sie sogar bei ihm. “Nein”, er hat keine Kopfschmerztabletten.

Ende

Nach der feierlichen Versteigerung des ENDE bleiben nun noch drei Wochen um das ENDE tatsächlich zu vollziehen, dazu zählt der feierliche Auszug, der Verkauf und die Entsorgung der restlichen Artefakte. Die Überlieferung der gewonnenen Erkenntnisse und die Überführung in die Auffangeinrichtung, den IST-MIR-WURST-CLUB.

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